Blindtext

... braucht man immer mal wieder, um bei der Gestaltung von Drucksachen o. ä. die Stelle, wo später mal der Text hin soll, vorübergehend zu füllen. Nur so kann man das ganze Werk auf sich wirken lassen.

 

Meist fällt einem nichts ein und man tippt wahllos drauf los. Oft sieht's dann merkwürdig aus, alle Zeilen enden an der fast gleichen Stelle, bzw. die Leerschritte zwischen den Wörtern weisen eine unnatürliche Symmetrie auf. Deshalb ist es schöner, wenn es sich um einen richtigen Text mit richtigen Wörtern handelt.  

 

Einen wirklich schönen Text habe ich erst vor kurzem entdeckt. Den scheint es schon seit längerem zu geben, denn im Internet ist er tausendfach zu finden. So hoffe ich, dass meine Veröffentlichung an dieser Stelle auch ohne Nennung des Urhebers geht. Dem danke ich - unbekannterweise - auf diesem Wege für den amüsanten Lückenfüller. 

Ein Holzschuhmacher und ein Bogenschütze mit Brot- beziehungsweise Wassersack durchschritten eine Saccharose-Pfütze. Zwar war sie gottlos, aber zäh wie Lack.

Der Schütze sprach: »Wir müssen sie entwässern. Nur so wird sie zu gutem Scheuersand. Jedoch kann ich sie schwerlich trockenbessern. Mein Sack enthält den falschen Gegenstand.« Der Holzschuhmacher sprach: »Oh, ich vermute, du willst mein sittsam frommes Beutelbrot – auf dass es zuckernd sich zu Tode blute und selbstvergessen stirbt den Opfertod.«

»Mein Gott, du laberst wie ein schwuler Pfaffe, dem man den Wäschebeutel klauen will. Ist dir denn klar, dass ich es niemals schaffe? In deinem Sack ist Brot, in meinem Müll!«

»Du bist ein Bösewicht, Sadist und Schlächter und willst mein Brot als süßes Opferlamm. Der ärgste Tempelräuber ist gerechter. Mein Brot, verdammt, ist heilig. Und kein Schwamm!«

So zogen sie denn lauthals schreiend weiter, teils sakrosankt, teils niedersäbelnd schroff. Noch heute singen sie dem Anstaltsleiter das Lied vom Pfützlein mit dem Zuckerstoff.